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Nr. 2019 | 2

Kulturelle Teilhabe für alle?

Die Förderung von Literalität wird im internationalen Diskurs mit der Befähigung von Individuen zur gesellschaftlichen Teilhabe begründet: Wer unterschiedliche Texte und Medien rezeptiv und produktiv nutzen und kritisch reflektieren kann, ist in der Lage, sich weiterzuentwickeln und aktiv an der modernen Wissensgesellschaft zu beteiligen (OECD).

Das in dieser Nummer von leseforum.ch | forumlecture.ch | forumlettura.ch thematisierte Verständnis von kultureller Teilhabe ist enger gefasst: Es geht um eine eigenständige und involvierte Teilhabe aller an der Rezeption, Produktion und Reflexion ästhetischer Werke. Dem Thema unserer Plattform entsprechend fokussieren wir dabei auf Formen literaler Kultur. Im Zentrum dieser Nummer steht die Frage, wie alle Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen in allen Lebensbereichen bei der Ausübung literal-ästhetischer Praktiken in allen Sprachen und Medien gestärkt werden. Mehr

  • Fokusartikel |  aus der Wissenschaft Teilhabe an literalen Praktiken in einer Kindertagesstätte von Evamaria Zettl

    Der vorliegende Beitrag stellt die Frage: Wie verläuft die Teilhabe an literalen Praktiken im Alltag einer Kindertagesstätte, auch unter ästhetischen Aspekten? Sie wird beantwortet anhand ethnographischer, praxistheoretisch analysierter Daten aus einer deutschen Kita in einem marginalisierten Stadtviertel. Die Befunde zeigen: Literalität im Sinn des Lesens und Schreibens einzelner Buchstaben und Wörter ist im Kita-Alltag gut zugänglich und kann ästhetische Aspekte haben. Literalität als Bilderbuchbetrachtung ist dagegen räumlich wie personell vom Kita-Alltag getrennt und wenig narrativ ausgerichtet. Dagegen zeigt eine nicht angeleitete Erzählung eines Kindes anhand einer Buchillustration überraschende literale wie ästhetische Qualitäten. Der Artikel schliesst mit Empfehlungen für die Forschung und Anregungen für die Praxis.

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  • Fokusartikel |  aus der Praxis Einfach gesagt, leicht geschrieben, visuell gebärdet oder audiodeskribiert – wie gezielt angepasste Sprache die inklusive kulturelle Teilhabe ermöglicht von Silvan Rüssli

    Barrierefreie Kommunikationsmittel und bewusst eingesetzte Sprache sind wichtige inhaltliche Zugangshilfen zu Kulturveranstaltungen für Menschen mit Behinderungen. Gleichzeitig kann falsch verwendete Sprache aber auch eine zentrale Zugangshürde für die kulturelle Teilhabe insbesondere von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, Hör- oder Sehbehinderungen sein. Im nachfolgenden Beitrag werden zehn Praxisbeispiele von Kulturveranstaltern aus verschiedenen Sparten vorgestellt, die inklusive kulturelle Teilhabe dank gezielt angepasster Sprache ermöglichen: in Form von vereinfachter Sprache oder Leichter Sprache in ihren Kommunikationsmitteln, aber auch durch den Einsatz der visuellen Gebärdensprache anstelle von Laut- und Schriftsprache oder durch die Nutzung von akustisch beschreibender Audiodeskription bei audiovisuellen Kulturveranstaltungen.

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  • Fokusartikel |  aus der Praxis CHAOS BIMS PARADEPLATZ Oder: Dreieinhalb Jahre Junges Literaturlabor in Zürich von Gerda Wurzenberger

    Das Junge Literaturlabor JULL in Zürich (seit 2015) ist eine der ersten Kulturinstitutionen, die sich ausschliesslich Projekten „kultureller Teilhabe“ mit Kindern und Jugendlichen widmet. Am Beispiel des JULL lässt sich nicht nur zeigen, dass Jugendliche aus sogenannt bildungsfernem Umfeld in der globalisierten, digitalisierten Medienwelt einen privilegierten Platz einnehmen, sondern auch, wie sie diese Position sprachlich innovativ nutzen können. Gleichzeitig wird in der Arbeit des Jungen Literaturlabors aber auch spürbar, wie stark die Definitionsmacht der Hochkultur auf Projekte kultureller Teilhabe einwirkt und welche Gefahren und Missverständnisse daraus entstehen können.

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  • Weiterer Artikel |  aus der Wissenschaft Mehrsprachiges Schreiben vor und während der Schuleingangsphase. Eine Fallstudie von Ursula Ritzau

    Empirisch basierte Modelle des Schriftspracherwerbs (z.B. Frith 1985; Valtin 1997) beschreiben die Phasen von den ersten Imitationen der Schrift bis hin zur Automatisierung der orthographischen Regeln. Solche Modelle gehen aber stets von einem einsprachigen Schriftspracherwerb aus und können den Schriftspracherwerb mehrsprachiger Kinder nicht ausreichend erklären. In dieser Fallstudie wird die Beschreibung der Phasen des Schriftspracherwerbs mit einer mehrsprachigen Dimension erweitert. Die Daten wurden von zwei zweisprachig aufwachsenden Kindern vor und während der Schuleingangsphase erhoben. Die beiden Kinder wachsen in einer dänisch- und deutschsprechenden Familie in der Deutschschweiz auf. Der Beitrag bietet Potential für eine Diskussion der gängigen Modelle des Schriftspracherwerbs, damit diese in Zukunft auch die grosse Gruppe der mehrsprachigen Kinder entsprechend berücksichtigen können.

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  • Weiterer Artikel |  aus der Wissenschaft Zwei besondere Formen des Schüler-Erwachsenen-Diktats und damit verbundene Möglichkeiten zur Differenzierung von Mégane Aebischer, Loriana Cuennet, Véronique Marmy Cusin

    Der Beitrag beschreibt zwei unterschiedliche Formen des Schüler-Erwachsenen-Diktats in einer 1H-2H-Klasse sowie die individuellen Anpassungen an die einzelnen Schülerinnen und Schüler. In der Beobachtung von zwei erfahrenen Lehrerinnen und mit einem Gespräch in überkreuzter Selbstkonfrontation können bewusste oder unbewusste Praktiken sowie die Anpassung jedes Diktats an die einzelnen Schülerinnen und Schüler beschrieben werden. Die beobachteten Diktatsituationen halten sich ziemlich genau an das in der Theorie vorgeschlagene Vorgehen, auch wenn es kleine inter- und intraindividuelle Unterschiede gibt. Die beiden gefilmten Lehrerinnen nutzen diese besondere Situation, um zu differenzieren und den Bedürfnissen der einzelnen Schülerinnen und Schüler Rechnung zu tragen. Sie regulieren ihr Vorgehen, indem sie sich den tatsächlichen oder vermuteten Bedürfnissen anpassen (interaktive Regulierung), was bisweilen auch unbewusst geschieht.

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  • Fokusartikel |  aus der Praxis «ACHTUNG! ACHTUNG! DIE WELLE KOMMT!» Zugänge zu Schriftlichkeit im gemeinsamen Deutschunterricht: Einblicke in ein Praxisprojekt von Barbara Geist, Anja Feigl

    Wie kann es gelingen, dass in inklusiven Klassen alle Kinder am Textschreiben, im Sinne einer kulturellen Tätigkeit teilhaben? Dieser Frage wurde im Rahmen eines Praxisprojekts an einer inklusiven Grundschule nachgegangen. Das diktierende Schreiben (Merklinger, 2012) wurde in mehreren Klassen über ein halbes Jahr hinweg erprobt. Im Fokus dieses Projekts stehen Kinder, die zu Beginn der Datenerhebung nicht oder wenig mit dem Schreiben von Texten in Berührung gekommen waren. Der Beitrag gibt einen Einblick in den Entstehungsprozess eines Textes, für den das Transkript der Diktier-Schreibsituation vorliegt. Ausserdem wird anhand weiterer Schülertexte gezeigt, wie Kinder für sich Bedeutsames verschriften. Es zeigt sich, dass auch Kinder mit sprachlichen und kognitiven Beeinträchtigungen im diktierenden Schreiben Zugänge zu Schriftlichkeit erhalten, die Verdauerung von Schrift erleben, den Formaspekt von Sprache fokussieren und sich (schrift-)sprachlich weiterentwickeln. Bei einigen Kindern stellte das diktierende Schreiben trotz der kurzen Zeit eine Brücke vom diktierenden zum eigenständigen Schreiben dar.

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  • Fokusartikel |  aus der Praxis Partizipative Ausstellung «Kulturobjekte. Pflanzen, die unser Leben prägen», ein Labor lebendiger Literalität von Elodie Gaille, Blaise Mulhauser

    2018 fand im Botanischen Garten in Neuchâtel eine partizipative Ausstellung zum Thema «Reise der Pflanzen, Reise der Menschen» statt. Die Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, an diesem Gemeinschaftswerk teilzunehmen. Sie brachten einen Gegenstand mit einem Bezug zu einer Pflanze in die Ausstellung und notierten auf einem Blatt Papier in ihrer Muttersprache dessen Verwendung. Die Ausstellung war begleitet von zahlreichen Aktivitäten und erwies sich als ausgezeichnetes Labor für interkulturelle Literalität. Die Leihgeberinnen und Leihgeber und auch das Publikum nahmen den Raum lesend und erzählend in Beschlag, verändert und bereicherten ihn und stellten damit die üblichen Standards der heutigen Museologie und Museografie auf den Kopf.

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  • Fokusartikel |  aus der Praxis Sprachvermittler und Geschichtenerzähler: Ein Projekt zur kulturellen Teilhabe der interkulturellen Bibliothek LivrEchange von Ana Caldeira Tognola

    Seit 2002 verfolgt die interkulturelle Bibliothek LivrEchange in Freiburg das Ziel, das Lesen, die sprachliche und kulturelle Vielfalt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Sie arbeitet mit Globlivres in Renens zusammen, mit der sie Werte und Betriebsform teilt. LivrEchange ist Mitglied des Dachverbands Interbiblio, dem 22 interkulturelle Bibliotheken in der ganzen Schweiz angeschlossen sind.

    Die Mitbegründerin der interkulturellen Bibliothek des Kantons Waadt, Monica Prodon, weist darauf hin, dass eine interkulturelle Bibliothek eine wichtige gesellschaftliche Funktion als Ort der Integration erfüllt, wo die Sprachen und Kulturen als wesentliche Elemente der Identität jedes Menschen anerkannt und gewürdigt werden. Die Betriebsform der Bibliothek motiviert zudem zu einer aktiven Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer und vermittelt ihnen ein Gefühl der Zugehörigkeit, was für die gesellschaftliche Einbindung unerlässlich ist. (Prodon, 2017, S.131)

    In diesem Beitrag wird mit dem Projekt «Passeurs de langue et d’histoires» (Sprachvermittler und Geschichtenerzähler) gezeigt, in welcher Form die Bibliothek sich mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt auseinandersetzt. Seit 2018 wird ein Teil dieses Projekts vom Bundesamt für Kultur unter dem Namen
    «Amahoro 2018: visites des bibliothèques interculturelles» unterstützt.

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  • Weiterer Artikel |  aus der Praxis Illustrierte Alben in einer Klasse der Scuola media und in den Kursen für Schülerinnen und Schüler mit Italienisch als L2: divergente und auf Integration ausgerichtete Wege des Lesens von Roberta Deambrosi

    Die nicht italienischsprachigen Schülerinnen und Schüler, welche die Scuola media (Sek. I) im Tessin besuchen, haben zusätzlich zu den anderen Unterrichtsstunden auch noch Stunden bei einer Lehrperson, die sich um das Erlernen von Italienisch als L2 und um ihre sprachliche Integration kümmert (sog. Docente di Lingua e integrazione). In diesem Zusammenhang werden sie Lernprozessen ausgesetzt, mit denen die Sprache nicht nur als Kommunikationsmittel acquiriert, sondern als Hilfsmittel für die Entwicklung transversaler, pluridisziplinärer und interkultureller Kompetenzen entwickelt wird. Der Beitrag berichtet von einigen Leseaktivitäten, die auf illustrierten Alben aufbauen und v.a. das Gefühl der Selbstwirksamkeit stärken wollten. Das zu Grunde liegende Postulat ist dabei, dass die für Lesen und Schreiben um einen multimedialen Text wie das illustrierte Album mit seiner hohen Sinndichte und Schönheit entwickelten Kompetenzen zur Entwicklung und Verstärkung des Selbstverständnisses dieser Jugendlichen in Bezug auf ihre Rolle in der pädagogischen Beziehung beitragen.

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Stimmen zur Plattform

Für meine eigene Arbeit sind die aktuellen Einblicke in benachbarte Forschungsfelder von besonderer Bedeutung. Cornelia Rosebrock, Goethe-Universität, Frankfurt a.M.
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