Leseforum Schweiz. Literalität in Forschung und Praxis

Archiv – sämtliche Ausgaben seit 1992

Im Archiv finden Sie alle Beiträge, die seit 2010 auf der Online Plattform leseforum.ch erschienen sind. Zugänglich sind auch die jährlichen Bulletins, die der Verein Leseforum Schweiz von 1992 bis 2006 in gedruckter Form publiziert hatte.

Nr. 2010 |4

Interkulturelle Bibliotheken

Seit zwei Jahrzehnten gibt es in der Schweiz eine wachsende Zahl von Bibliotheken, die von eingewanderten Menschen aus der ganzen Welt, Schweizerinnen und Schweizern kooperativ und zumeist ehrenamtlich geführt werden. Diese mittlerweile zwanzig Interkulturellen Bibliotheken leisten Pionierarbeit: Hier finden Migrantinnen und Migranten Bücher in ihren Herkunftssprachen, die Bibliotheken sind Anlaufstelle, Aufenthaltsort, bieten Räume zum Mitgestalten und Zugänge zur alten und neuen Heimatkultur. Trotz ihrer breiten Bildungs- und Integrationsleistungen sind diese Bibliotheken unzureichend verankert und finanziert.

  • In der Schweiz mit ihren rund 22 % Migrantinnen und Migranten kommt den öffentlichen Bibliotheken, den rund 1000 Stadt- und Gemeindebibliotheken, eine wichtige Funktion im Bereich der Integration zu. Bibliotheken, die zu den am meisten frequentierten öffentlich zugänglichen Institutionen gehören, haben die Aufgabe, entsprechende Angebote zu machen und sich in ihrem Umfeld interkulturell zu vernetzen. Zum Bestand einer interkulturell tätigen Bibliothek gehören Bücher und weitere Medien in Fremdsprachen, zwei- und mehrsprachige Texte (v.a. Bilderbücher), einfache Texte in der im Umfeld gesprochenen Landes-sprache sowie Sprachlehrkurse. Informationen für ausländische Bevölkerungskreise sollen Migrantinnen und Migranten helfen, sich in einer ihnen fremden Umgebung zurechtzufinden. Spezielle Veranstaltungen, auch in verschiedenen Sprachen, sollen zeigen, dass alle Sprachen – und mit ihnen alle Menschen, die diese Sprachen sprechen! – in der Bibliothek willkommen sind. Unterstützt werden interessierte Bibliotheken von zwei Institutionen, die beide über ein grosses Reservoir an Beständen, aber auch über viel Fachwissen verfügen: Bibliomedia Schweiz und der Verein Interbiblio (vormals: VBOGS). Bibliomedia als «Bibliothek der Bibliotheken» leiht öffentlichen Bibliotheken, Schulbibliotheken, Schulklassen und weiteren Institutionen Bücher in Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Albanisch, Kroatisch, Serbisch, Türkisch und Tamilisch sowie einen grossen Be-stand an zweisprachigen Bilderbüchern aus. Zudem kann auf grosse Bestände an Büchern mit einfachen Texten (Easy Reader, Lesetipp) zurückgegriffen werden. Auf der Webseite (http://www.bibliomedia.ch > Angebote für Bibliotheken: Fremdsprachen/Werkzeugkasten Multikulturalität) finden sich modulartig ab-rufbare Begrüssungstexte mit integrierter Benutzungsordnung in 20 Sprachen sowie Links auf Geschichten in vielen Sprachen. Die 20 Bibliotheken des Vereins Interbiblio bieten Migrantinnen und Migranten einen Bestand in über 250 Sprachen an, der direkt vor Ort ausgeliehen werden kann. Zudem beliefern die grösseren interkulturellen Bibliotheken auch Gemeindebibliotheken mit Kollektionen zur Ausleihe. Damit steht in der Schweiz für ein interkulturelles Bibliotheksnetz ein einmaliges Angebot an Materialien und Wissen zur Verfügung, um das die umliegenden europäischen Länder uns beneiden. Fachleute aus öffentlichen Bibliotheken sowie Interbiblio-Bibliotheken bringen ihr Wissen im Projekt «Mondomedia» ein. Da in der Deutschschweiz der Bedarf an interkulturellen Bibliotheksangeboten gross ist und durch die zwölf Interbiblio-Bibliotheken nicht befriedigt werden kann, entwickelten Bibliomedia, der Verein Interbiblio sowie der Kinderbuchfonds Baobab mit «Mondomedia» ein Kursprogramm, das Personal in Gemeindebibliotheken für die interkulturelle Bibliotheksarbeit sensibilisieren soll. Ziel ist es, dass überall dort, wo solche Angebote nötig sind, Bibliotheken sich öffnen und die Kultur- und Sprachenvielfalt bei sich willkommen heissen.

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  • Ausgehend von der 22-jährigen praktischen Erfahrung von Globlivres in Renens thematisiert der Artikel vielfältigen Aspekte einer spezifisch interkulturellen Bibliothek. Er beschreibt die Rolle der interkulturellen Bibliothek als Ort der Anregung und Pflege gesellschaftlicher, kultureller, persönlicher und institutioneller Beziehungen.

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