Skip to main content Skip to home page

Archiv Sämtliche Ausgaben seit 1992

Im Archiv finden Sie alle Beiträge, die seit 2010 auf der Online Plattform leseforum.ch erschienen sind. Zugänglich sind auch die jährlichen Bulletins, die der Verein Leseforum Schweiz von 1992 bis 2006 in gedruckter Form publiziert hatte.


Previous Next Previous Next

Sprachreflexion und Literalität

Sprache wird selbstverständlich als Kommunikationsmittel verwendet, sie formt die Wirklichkeit sowie unser Denken. Sie kann allerdings auch Gegenstand der Reflexion sein. Von diesem Spannungsverhältnis ausgehend, widmet sich die vorliegende Ausgabe von Leseforum.ch der Sprachreflexion:
Das Reflektieren über Sprache und Sprachen ist zunächst Bildungsgut, befördert darüber hinaus aber auch den Erwerb von Bildungs- und ästhetischer Sprache. Sich sachbezogen angemessen ausdrücken zu können bzw. sachbezogene Sprache zu verstehen, ist grundlegend für schulischen Erfolg. Dazu gehört ebenso, sich an der Ästhetik von literarischen mündlichen und schriftlichen Texten zu erfreuen und Sprache zum Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit Literatur zu machen.

  • Fokusartikel |  aus der Wissenschaft Zum Verhältnis von Sprachreflexion und Grammatikunterricht im Lehrplan 21 von Thomas Lindauer, Claudia Schmellentin

    In diesem Beitrag werden die konzeptionellen Grundlagen zur Strukturierung des Themenfelds «Sprachreflexion» im Lehrplan 21 dargestellt und kritisch reflektiert. In den ersten beiden Kapiteln wird die Mehrdimensionalität des Begriffs «Sprachreflexion» diskutiert: Es wird dabei grundsätzlich zwischen der Reflexion über Sprache als Objekt und der Reflexion über Sprachhandlungen unterschieden. Bei Sprache als Objekt wird weiter unterschieden zwischen der Reflexion über pragmalinguistische Themen – wie Gesprächsregeln, Textsorten, Umgang mit Standard und Mundart, Mündlichkeit/Schriftlichkeit und vielen anderen – und über Sprachstrukturen bzw. Grammatik im engeren Sinn.
    Als Ausgangs- und Kristallisationspunkt für sprachdidaktische Überlegungen fungiert der (traditionelle) Grammatikunterricht, dies nicht darum, weil dieser im Gesamt des Sprachunterrichts besonders wichtig wäre, sondern weil er zum einen eine lange Tradition verschiedener Legitimationsdiskursen aufweist, zum andern, weil er bis heute mit ‹Nachdenken über Sprache› bzw. Sprachreflexion gleichgesetzt wird, was eine eingeschränkte begriffliche Füllung darstellt.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels
  • Fokusartikel |  aus der Wissenschaft Geschichten über Geschichten. Zur Metafiktionalität bei August Corrodi (1826–1885) von Deborah Keller

    Ausgehend von zwei aktuellen Beispielen der Kinderliteratur, die das literarische Schreiben thematisieren, wird aus literaturwissenschaftlicher Perspektive aufgezeigt, dass solche metapoetischen Reflexionen und Digressionen in Kinderbüchern keineswegs nur ein Phänomen der Gegenwartsliteratur oder der Literatur der Postmoderne sind: Schon Mitte des 19. Jahrhunderts macht der Winterthurer Kinderschriftsteller August Corrodi das Geschäft des Geschichtenmachens in verschiedenen fiktionalen Texten zu einem zentralen Thema. Eine schulische Lektüre (Sekundarstufe I oder II) seiner Texte könnte als Vergleichsgrösse zur Lektüre zeitgenössischer metafiktionaler Texte fungieren und so die Unterrichtsinhalte Sprachreflexion, Schreiben als Prozess und Nachdenken über das Spiel mit Wirklichkeit und Fiktion historisch vertiefen. Die Analyse fördert formale und funktionale Ähnlichkeiten der metaliterarischen Verfahren in den betrachteten zeitgenössischen und historischen Texten zutage. Diese Verfahren lenken die Aufmerksamkeit der Rezipient:innen auf das Handwerk und auf die Prozesshaftigkeit des literarischen Schreibens und zielen damit auf einen zentralen Bestandteil von Literalität, nämlich auf das Bewusstsein von Ästhetik, Fiktionalität und Textualität der Literatur.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels
  • Fokusartikel |  aus der Praxis Mit Bilderbüchern über Sprache nachdenken Beispiele für Sprachreflexion im Zyklus 1 von Fabienne Senn, Andrea Quesel-Bedrich

    Der vorliegende Beitrag legt dar, wie mit Bilderbüchern Sprachreflexion im Hinblick auf Sprachbildung betrieben werden kann. Bereits ein Blick auf die kindliche Entwicklung veranschaulicht, dass sich Kinder schon im Vorschulalter für Sprache und ihre Eigenheiten interessieren und erste spontane Erfahrungen mit Sprachreflexion machen. Später werden solche Äusserungen im Unterricht aufgegriffen und die Schüler:innen zunehmend bewusst auf sprachreflexive Begebenheiten aufmerksam gemacht, wie sie zum Beispiel beim Vorlesen und Erzählen von Bilderbüchern auftreten (Abschnitt 1). Der Beitrag beschreibt, wie Bilderbücher mit ihrer modalen Charakteristik zur Sprachreflexion genutzt werden können. Anhand ausgewählter Bilderbücher werden in Abschnitt 2 verschiedene Felder der Sprachreflexion aufgezeigt und deren Verankerung im Lehrplan 21 dargelegt. Wie Sprachreflexion praktiziert werden kann, wird in zwei Unterrichtsideen vorgeschlagen. Dies geschieht anhand der beiden Bilderbücher, «Die Waldlinge» (Stalder, 2020) in Abschnitt 3 und daran anschliessend in Abschnitt 4 für «Die Tode meiner Mutter» (Haslbauer, 2021). Der Beitrag schliesst mit einem Fazit in Abschnitt 5.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels
  • Fokusartikel |  aus der Praxis Vom Grammatikunterricht zur Textreflexion – Eine Unterrichtseinheit zu Kohäsion und Textverständlichkeit im Sprachreflexionsunterricht auf Sekundarstufe II von Linda Boos-Leutwiler, Mirjam Stäger-Wilhelm

    Grammatikunterricht hat auf der Sekundarstufe II in den Gymnasien und Berufsmaturitätsschulen gemeinhin einen hohen Stellenwert, ist aber oftmals nicht situiert und erschöpft sich in der Benennung grammatischer Kategorien. Auf Basis dieser Beobachtung haben wir eine Unterrichtseinheit entwickelt, die einen sprachreflexiven Zugang zu Grammatik an der Schnittstelle zur Textlinguistik eröffnet, und diese in verschiedenen Klassen an Gymnasium und Berufsmaturitätsschule erprobt. Die Einheit ist nach den Prinzipien des dialogischen Lernens nach Ruf und Gallin (1999) gestaltet und hat zum Ziel, das Bewusstsein der Schüler:innen dafür zu fördern, was Kohäsionsmittel für die Verständlichkeit von Texten leisten. Die Unterrichtseinheit ist explorativ angelegt: Als Impuls dienen zwei syntaktisch unterschiedliche Paralleltexte, deren Vergleich zur Sprachreflexion anregt und auch schreibdidaktisch nutzbar gemacht werden kann. Abschliessend wird aufgezeigt, welche Implikationen die gemachten Erfahrungen für den Grammatik- und Sprachreflexionsunterricht auf Sekundarstufe II haben.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels
  • Fokusartikel |  aus der Praxis Chancen und Grenzen von Sprachreflexion und Grammatikunterricht auf der Primarschulstufe – Ein Gespräch zwischen Deutschdidaktikerinnen über Sprache als Objekt von Sara Grunauer, Sabine Geiger

    In einem Gespräch reflektieren zwei Deutschdidaktikerinnen verschiedenen Fragen rund um den Grammatikunterricht auf der Primarstufe vor dem Hintergrund folgender Problemlage: Für den traditionellen Grammatikunterricht wird zum Teil auch heute noch (zu) viel Zeit auf der Primarschule verwendet, obwohl mittlerweile bekannt ist, dass die Schüler:innen die dafür beanspruchte Lernzeit für Sprachhandlungen wie Lesen und Schreiben dringender benötigen würden und Grammatikunterricht sich sogar negativ auf die Textqualität auswirken kann (vgl. u.a. Philipp, 2012; Graham, Harris & Santangelo, 2015). Mit der Einführung des Lehrplans 21 wurde der rein normative Zugang durch einen reflexiven Ansatz (vgl. «Sprache(n) im Fokus») ergänzt, der neben der Reflexion über Sprachstrukturen insbesondere auch den Sprachgebrauch thematisiert. Jedoch ist für eine reflexive Grammatikvermittlung ein vertieftes linguistisches bzw. sprachsystematisches Wissen seitens der Lehrperson vonnöten, das in einem Bachelorstudium nicht vollends erworben werden kann. Es stellt sich also die Frage, in welcher Form Sprachreflexion auf der Primarstufe sinnvoll und leistbar ist.
    In der Diskussion der beiden Deutschdidaktikerinnen wird die Grammatikvermittlung aus inhaltlicher, methodischer und didaktischer Perspektive problematisiert. Dabei wird der Bereich «Sprache(n) im Fokus» in den Vordergrund gestellt. Erkenntnisse aus dem fachdidaktischen Diskurs und Erfahrungen aus der Lehrer:innenausbildung sowie aus eigener Unterrichtstätigkeit an Primarschulen bilden dabei die Grundlage der Diskussion. Der Beitrag richtet sich an (angehende) Primarlehrpersonen, Deutschdidaktiker:innen, PH-Dozierende und Lehrmittelautor:innen, welche sich für Erfahrungen der Autorinnen mit der Sprachreflexion im Unterricht der Primarschulstufe, fachdidaktische, lernpsychologische und linguistische Überlegungen zum Grammatikunterricht bzw. zur Entwicklung von Grammatikaufgaben interessieren. Herausforderungen wie die Auswahl relevanter Garmmatikthemen, die Art der Grammatikvermittlung – sowohl auf der Primarstufe als auch für angehende Primarlehrpersonen – und Möglichkeiten zur Sprachreflexion im (Grammatik-)Unterricht werden thematisiert und mögliche Lösungsansätze aufgezeigt.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels
Nach oben