Bibliotheken
Bibliotheken sind weit mehr als Aufbewahrungsorte für Bücher: Sie sind Räume des Lesens, der Begegnung und des Lernens – Orte, an denen kulturelle und sprachliche Bildung, Wissen und Teilhabe zusammenkommen. Schon früh wurde ihre Bedeutung erkannt: Nicht zufällig entstand in der Schweiz bereits vor über hundert Jahren die «Schweizerische Volksbibliothek» (heute Bibliomedia), um Lesen und Bildung landesweit zu fördern. Zu den historischen Aufgaben gehörten die Leseförderung ebenso wie der «Kampf gegen die Schundliteratur» oder die Unterstützung des Lesens in anderen (Landes-) Sprachen. Bibliotheken waren stets eng mit Schule und Bildung verbunden – vielerorts ganz konkret als Schulbibliotheken, die den Unterricht unterstützen und ergänzen.
Wie gestaltet sich dieses Verhältnis heute, in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und digitaler Veränderungen? Welche Aufgaben übernehmen Bibliotheken im schulischen und ausserschulischen Lernen?
In dieser Ausgabe von leseforum.ch kommen Fachpersonen aus Bibliothekswesen, Forschung und Bildung zu Wort, die neue Erfahrungen, Perspektiven und Handlungsansätze vorstellen und diskutieren. Im Mittelpunkt stehen die Vernetzung von Bibliotheken mit anderen Orten der Leseförderung, Strategien für die Bibliothek der Zukunft sowie die Frage nach der Rolle des Bibliothekspersonals. Wie verändert sich der Beruf, wenn Bibliothekar:innen immer stärker in pädagogische Handlungsfelder hineinwirken? Welche Kernkompetenzen bleiben für die professionelle Identität unverzichtbar – und welche neuen Anforderungen ergeben sich für die Aus- und Weiterbildung?
Zu diesen Fragen geben Beiträge aus verschiedenen Sprachregionen und Ländern Auskunft. Sie zeigen, wie sich Bibliotheken heute als Akteurinnen von Bildung und Kultur verstehen – als Orte des Zugangs, der Begegnung und des selbstständigen Lernens. Mehr
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Fokusartikel | aus der Praxis
Bildung für nachhaltige Entwicklung: Die Schlüsselrolle von Bibliotheken
Bibliotheken spielen eine entscheidende Rolle in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Dieser Beitrag zeigt, wie Bibliotheken – von Schulbibliotheken über öffentliche bis hin zu wissenschaftlichen Bibliotheken – durch die Förderung von entsprechenden Kompetenzen zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. Sie erweitern traditionelle literale Kompetenzen und ermöglichen es Menschen, Verantwortung in einer komplexen, digitalen Welt zu übernehmen. Mit vielfältigen Bildungsangeboten unterstützen Bibliotheken das Verständnis globaler Herausforderungen und fördern zugleich nachhaltiges Handeln. Es wird betont, dass Bibliotheken ihre Relevanz durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit verstärken müssen, um als zentrale Akteurinnen der BNE anerkannt zu werden. Praxisbeispiele verdeutlichen ihren Beitrag zur nachhaltigen Bildung.
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Fokusartikel | aus der Praxis
Die Bibliothek als Informationskompetenzzentrum
Neue Rollen im digitalen Zeitalter: Bibliothekar:innen als Wegweiser:innen durch den InformationsdschungelBibliotheken befinden sich im digitalen Zeitalter in einem grundlegenden Wandel: Angesichts der wachsenden Informationsflut durch soziale Medien und Online-Quellen rückt ihre Rolle als reine Ausleihstelle zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen entwickeln sie sich zu Informationskompetenzzentren. Bibliothekar:innen werden dabei zu Informationsspezialist:innen, die Nutzer:innen helfen, verlässliche Informationen zu identifizieren, kritisch zu bewerten und damit auch Medienkompetenz zu erwerben. Diese Neuausrichtung ist nicht nur für die Zukunftsfähigkeit der Bibliotheken entscheidend, sondern auch für die demokratische Gesellschaft insgesamt, in der Informationskompetenz als Schlüsselqualifikation gilt. Am Beispiel der Stadtbibliothek Graz wird gezeigt, wie dieser Wandel praktisch umgesetzt wird – etwa durch Workshops zu Fake News, digitale Beratungsangebote, MakerSpaces oder Veranstaltungen zur Demokratiebildung. Ein zentraler Baustein dieses Wandels ist die Ausbildung der Bibliothekar:innen in Österreich: Sie sollen künftig nicht nur Medien verwalten, sondern als Informationsspezialist:innen aktiv zur Orientierung im digitalen Raum beitragen.
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Fokusartikel | aus der Praxis
Was macht Schulbibliotheken erfolgreich?
Rahmenbedingungen und Herausforderungen am Beispiel Südtirols – ein ErfahrungsberichtDer Beitrag untersucht Erfolgsfaktoren von Schulbibliotheken in Südtirol. Er zeigt, dass kontinuierliche Schulbibliotheksarbeit und verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend sind. Anhand von Beispielen aus Grund-, Mittel- und Oberschulen wird deutlich, wie Bibliothekscurricula und vielfältige Leseförderungsprogramme erfolgreich umgesetzt werden können. Schulbibliotheken werden als zentrale Lernorte beschrieben, getragen von engagierten Bibliotheksteams und guten Rahmenbedingungen. Eine Schlüsselrolle spielt das Qualitätssicherungsverfahren, das im Vierjahresrhythmus durchgeführt wird: Es stärkt die Weiterentwicklung der Schulbibliotheken, sichert finanzielle und personelle Ressourcen und festigt ihre Position in der Schulgemeinschaft.
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Fokusartikel | aus der Praxis
Der Mensch als Erfolgsfaktor im Multiversum Schulbibliothek
Schweizer Schulbibliotheken entwickeln sich von traditionellen Orten der Leseförderung zu multidimensionalen Bildungsräumen – einem «Multiversum» im Sinne Borges’ literarischer Vision. Der Artikel beleuchtet die zentrale Rolle der Fachperson Schulbibliothek als Navigator:in in diesem komplexen System und beschreibt den Wandel von der «Ämtli»-Funktion zur professionellen Bildungsakteur:in. Auf der Grundlage der 2025 überarbeiteten Bibliosuisse- Schulbibliotheks-Richtlinien werden die vielfältigen Anforderungen – von bibliothekarischen Grundkompetenzen über pädagogische Fähigkeiten bis hin zu digitalen Kompetenzen – dargestellt. Drei zentrale Herausforderungen werden identifiziert: Schultransformation, KI-Integration und Professionalisierung des Berufsbildes. Daraus ergeben sich Handlungsfelder in den Bereichen Vernetzung, Qualitätsmanagement und Etablierung des Berufsbilds. Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass nicht die Ausstattung, sondern die qualifizierte Fachperson der entscheidende Erfolgsfaktor wirksamer Schulbibliotheksarbeit ist.
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Fokusartikel | aus der Wissenschaft
Gemeinschaft, Konflikt und Neutralität – eine skandinavische Perspektive auf die Forschung zu öffentlichen Bibliotheken
In den vergangenen fünfzehn Jahren haben sich die skandinavischen öffentlichen Bibliotheken stetig weiterentwickelt und an gesellschaftliche und technologische Veränderungen angepasst.Ihre Rolle ist dabei zunehmend komplexer geworden. Einerseits sind Bibliotheken zu wichtigen Gemeinschaftszentren mit vielfältigen Angeboten und Aktivitäten geworden.. Der COVID-19-Lockdown hat deutlich gezeigt, wie wichtig der physische Bibliotheksraum für viele Nutzer:innen ist - insbesondere für Kinder, Jugendliche und Senior:innen. Andererseits sind verstärkt Konflikte und Spannungen entstanden, , da politische Gräben auch in die Bibliotheken hineinwirken. Die skandinavische Bibliotheksforschungspiegelt diese Entwicklung wider;ein vertieftes Verständnis der komplexen Rolle der Bibliothek in Zeiten des Wandels erscheint heute wichtiger denn je. Da dieForschung eng mit der bibliothekarischen Praxis verbunden ist, verfolgt sie das Ziel, Bibliothekar:innen und andere Fachpersonen mit Wissen und Werkzeugen zur Weiterentwicklung ihrer Arbeit zu unterstützen.
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Fokusartikel | aus der Praxis
Interkulturelle Bibliotheken als dritte Bildungsorte: Erkenntnisse aus dem Projekt AMAHORO+ in der Westschweiz
Dieser Artikel stellt die zentralen Erkenntnisse des Projekts AMAHORO+ vor, das in fünf interkulturellen Bibliotheken der Westschweiz durchgeführt wurde. Er zeigt, wie diese Orte als dritte Bildungsräume neu gedacht werden können – durch den Ausbau der didaktischen Kompetenzen des Bibliothekspersonals, durch einen berufsübergreifenden Dialog mit den Pädagogischen Hochschulen und durch eine kritisch-reflexive Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit. Der Artikel beleuchtet die Spannungsfelder zwischen der Wertschätzung von Herkunftssprachen und der Gefahr der Identitätszuordnung und zeigt konkrete Wege auf, wie die pädagogische Funktion der Bibliotheken im Schweizer Bildungswesen gestärkt werden kann.
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Fokusartikel | aus der Praxis
Der Dienst für Neurodiversität der Bibliothek SUPSI DFA/ASP in Locarno
Ein Beispiel für inklusive Kultur in einer BibliothekUm eine wirklich inklusive Bildung zu fördern, muss die Schule Vielfalt durch flexible, zugängliche und personalisierte Unterrichtspraktiken als Teil ihrer Identität aufnehmen. Der Dienst für Neurodiversität an der Bibliothek des Dipartimento Formazione e apprendimento (Pädagogische Hochschule) der SUPSI wurde geschaffen, um dieses Ziel zu unterstützen und Ressourcen und Unterstützung zu Themen im Zusammenhang mit Neurodiversität anzubieten. Der Dienst bietet u.a. Bücher und Materialien zur Unterstützten Kommunikation, leicht lesbare Bücher, taktile Bücher, Silent Books und Spiele zur Entwicklung der exekutiven Funktionen an. Für den Dreijahreszeitraum 2025-2028 sind Fortbildungsinitiativen zur Stärkung der pädagogischen Kompetenzen vorgesehen.
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Fokusartikel | aus der Praxis
«Geschichten zum Fühlen»: eine inklusive Veranstaltung für gemeinsames Lesen
Der Artikel beginnt mit einer Darstellung der Ausrichtung des Bibliothekslabors, einer Fachstelle für Kulturvermittlung der Stiftung Bibliomedia Schweiz. Inklusion, barrierefreier Zugang zu schriftbasierten Ressourcen und der respektvolle Umgang mit der Vielfalt der Nutzer:innen stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Labors, dessen Auftrag darin besteht, Bibliotheken in ihrer Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen zu unterstützen. Anschliessend folgt eine kurze Reflexion über Lesegewohnheiten und Zugänge zum Lesen.
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Der Hauptteil des Artikels widmet sich den Besonderheiten von Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Er beschreibt das Leseförderungsprojekt «Histoires à ressentir» (Geschichten zum Fühlen), das sich an ein junges sehbeinträchtigtes Publikum richtet, und fasst die Erfahrungen aus den drei Pilotveranstaltungen im März 2025 zusammen. Diese Ausführungen verdeutlichen, was unter sensorischer Vermittlung verstanden wird. Abschliessend werden die Herausforderungen eines solchen Projekts, die Bedeutung von Kooperationen sowie das Potenzial im Hinblick auf Inklusion und Sensibilisierung dargelegt – mit dem Ziel, den Austausch zwischen sehr unterschiedlichen Zielgruppen in direktem Bezug zu den Bibliotheken zu fördern.
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Fokusartikel | aus der Wissenschaft
Lesen und Lese- und Schreibkompetenz: Bibliotheksdienste und Integration aus einer systemischen Perspektive
Einige Überlegungen ausgehend vom italienischen KontextDer Beitrag enthält Überlegungen zur Rolle der Bibliotheken für die Entwicklung von Kompetenzen und Lese- und Schreibfähigkeiten im aktuellen Kontext des digitalen Wandels, der nicht nur die Bibliotheken, sondern die gesamte Welt der Kultur, Bildung und Ausbildung betrifft. Die Überlegungen basieren auf einigen konkreten Beispielen für Dienstleistungen und Projekte, die in Italien in den Bereichen der Katalogisierung, der Leseförderung, der Schulbibliotheken, der digitalen Bibliotheken sowie der Ausbildungs- und Orientierungsprogramme im schulischen Bereich verwirklicht wurden. Ziel ist es, einen Überblick über einige interessante Erfahrungen im aktuellen italienischen Kontext zu geben davon ausgehend Denkanstösse zur Gestaltung von Dienstleistungenzu formulieren , die sich positiv auf das Leben der Menschen auswirken, angefangen bei der Entwicklung von Kompetenzen im Zusammenhang mit Lesen und Literalität.
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