Lesezirkel auf den Münchner Isarwiesen Foto: © epd-bild / Hanna Spengler
Thema der Nummer 1/2013
Die Geschichte der Lesekreise ist alt. Schon die griechische Dichterin Sappho veranstaltete Lesungen in angeregter Runde; in der Minnesang- und Troubadourkultur des Mittelalters fand diese Tradition genau so eine Fortsetzung wie an Italiens Renaissance-Höfen. Mit der Aufklärung entstanden in den europäischen Zentren erstmals kulturelle Aktivitäten ausserhalb von kirchlichen und politischen Strukturen. So fällt die Gründung des ersten Pariser Salons durch Catherine Marquise de Rambouillet 1610 mit der Entwicklung des städtischen Adels abseits des Hofes nach den Hugenottenkriegen zusammen. Im deutschsprachigen Raum entstanden die ersten Lesegesellschaften um 1720. Sie dienten anfänglich vor allem Akademikerkreisen zur Sicherung ihrer Stellung in der ständischen Gesellschaft und zum Austausch von Fachliteratur. Heutige private Leseclubs verbindet mit den hier erwähnten historischen Lesekreisen die kollektive und multiperspektivische Rezeption. Menschen sitzen zusammen und diskutieren über beim Stillen-Lesen gemachte Lektüre-Erfahrungen. Dieser Austausch ermöglicht es, Gleichgesinnte kennen zu lernen, er kann Identität stiften und hat oft auch einen geselligen Anteil.
Die aktuelle Nummer von leseforum.ch fragt nach dem Stellenwert heutiger Lesekreise, ihrer Funktionsweise und nach Diskussionsmustern, die in diesen gepflegt werden. Sie schildert Leseclub-Alltag in der Schule, in privaten und öffentlichen Räumen.
Zur Einführung und den Fokusartikeln
Lesezirkel: ein Modell zur Förderung des Leseverständnisses und der Autonomie der Lesenden
Von Claude Burdet et Sonia Guillemin
Der Beitrag erläutert die Ergebnisse einer Untersuchung zur Förderung des Leseverstehens mit dem Modell des Lesezirkels, die im Kanton Waadt zwischen 2007 und 2009 in 5. und 6. Harmos-Klassen durchgeführt wurde. Aus der Perspektive der kognitiven Psychologie verdeutlicht die Untersuchung den Leseverstehens-Prozess von Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Lesestrategien. Der Artikel zeigt, wie individuelles Text-Verständnis mit Hilfe von Instrumenten erarbeitet wird, die im Rahmen expliziter Strategievermittlung erworben wurden, und er macht die wichtige Rolle des Austauschs im Rahmen von Lesezirkeln klar. Diese Art der Leseförderung führt zu einem besseren globalen Verständnis des Textes, zu einer grösseren Autonomie der Lesenden, zu einem stärkeren persönlichen Engagement und zur Entwicklung von transversalen Fähigkeiten wie Zusammenarbeit, Kommunikation und Lernstrategien, die auch im PER (plan d’études romand), dem neuen Lehrplan der französischsprachigen Schweiz als Lernziele vorgegeben werden.
Zum Fokusartikel 1
Zum Phänomen des Lesegruppenbooms in Grossbritannien
Von Julia Lajta-Novak und Jakob Lajta
In Grossbritannien existieren mehr als 50'000 Lesegruppen. Sie werden in Pubs, Bibliotheken, und Gefängnissen ebenso abgehalten wie im privaten Rahmen. Auch Radio und TV haben eigene Formate, die sich mit Lesegruppen auseinandersetzen. Der Boom der letzten 20 Jahre ist nicht zufällig zu Stande gekommen, sondern Resultat gezielter Massnahmen der britischen Regierung zur Förderung von LeserInnen.
Zum Fokusartikel 2
Eine unwahrscheinliche Lektüre
Von Francine Clavien
Bleibt ein und dasselbe Gedicht in verschiedenen Lesezirkeln und im Abstand von zwei Jahren gelesen und diskutiert wirklich noch dasselbe? Offensichtlich nicht, meint die Urheberin des Gedichts, Francine Clavien. Jedes Publikum braucht andere Zugänge zu einem lyrischen Text, da muss die Erzählerin in die Trickkiste greifen. Während das Gedicht sich nie dem anpasst, was man von ihm möchte.
Zum Fokusartikel 3
Willkommen auf leseforum.ch, der Online-Plattform für Literalität des Vereins Leseforum Schweiz. leseforum.ch richtet sich an Fachpersonen, die sich in Forschung und Praxis mit Literalität befassen, sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Literalität wird breit verstanden als Handlungsfähigkeit im Umgang mit Schrift und schriftbasierten Medien in allen gesellschaftlichen Kontexten und auf allen Altersstufen.
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Leseforum Info-Flyer zum Downloaden
Der Einstieg ins Lesen in Kindergärten des Kantons Freiburg – ein Forschungsbericht
von Elisabeth Ansen Zeder und Christiane Joye-Wicki
Aus der Praxis
Eine alltägliche Kunst – Wie Sie Ihren Lesekreis gründen und unterhalten können
von Thomas Böhm
«Fremde Welten» in Kinder- und Jugendbüchern – ein Einblick in den Kosmos der Lesegruppen von Baobab Books
von Cyrilla Gadient
So bin ich denn ein Leser auf Erden: Schreiben als Strategie zur Leseförderung
von Yves Renaud
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